Der Seufzer des Ungelesenen
Ein Buch liegt da, stumm und allein,
auf dem Regal, eine alte Schein.
Geschloss’ne Seiten, eine Welt unbekannt,
wartet vergebens auf den ersten Band.
Dann kommt der Wind, ein sanfter Hauch,
durch die Fensterläden bewegt sein Rauch.
Er streichelt den Rücken, berührt den Schleier sacht,
erhebt kaum einen weißen Himmel gemacht.
Es blättert ins Nichts, flüstert leise nur,
zwischen Kapiteln, die nie geöffnet wurden vor.
Es liest die Tinte, niemals entschlüsselt ward,
von einer Geschichte, unerwartet und gar nicht enttarnt.
Ein schwacher Seufzer, ein Schleier der Melancholie,
der Wind trägt ihr Lied davon, so wie.
Das Buch wartet, stumm und geduldig noch immer,
die Geschichte, die es birgt, nie jemand vermirrt.