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Versisognanti

Sanduhren zwischen den Sternen

„Sanduhren zwischen den Sternen“ ist eine Lyrik, die sich wie eine tiefe Meditation über die Zeit entfaltet – ihre unaufhaltsame Natur und ihr Zusammenspiel mit der menschlichen Existenz und der städtischen Landschaft. Der Autor inszeniert eine gespannte, fast traumartige Atmosphäre, in der der kosmische Makrokosmos mit dem Mikrokosmos der Stadt verschmilzt und sich spiegelt; beide sind Protagonisten eines unaufhörlichen Werdens.

Der erste Abschnitt führt sofort einen universellen Atem ein: „Die Sterne atmen“. Diese Anthropomorphisierung des Kosmos deutet auf eine inhärente, uralte Vitalität hin, doch ihr gegenüber steht eine plötzliche Fragilität: „ein Faden bricht“. Dieser „Faden“ kann als die Kontinuität des Lebens, das universelle Gleichgewicht oder ein unsichtbares Band interpretiert werden, das sich auflöst und einen Hohlraum hinterlässt. Die Handlung verlagert sich schnell auf die Erde, wo „die Nachtluft zerbricht an den Mauern der Stadt“. Die Luft, ein immaterielles Element, nimmt eine fast gewalttätige Konkretion an, die gegen die Solidität des urbanen Raumes prallt – eine Metapher für den Widerstand oder die Gleichgültigkeit der gebauten Umwelt. Der anfängliche „Atem“ der Sterne, nun durch die Stadt gefiltert und verzerrt, „wird ein Echo zwischen Palästen“, wodurch er zu einem leeren Klang, einer Resonanz des Verlusts wird – ein Symbol für eine Präsenz, die an Substanz verloren hat.

Das pulsierende Herz des Gedichts entsteht im zweiten Abschnitt mit dem außerordentlich evokativen Bild von „Ein Regen von Sanduhren schlägt auf die alten Pflastersteine“. Die Sanduhren, die vorbildlichen Symbole der vergehenden Zeit, fallen nun wie ein insistenter und unerbittlicher Regen. Nicht mehr ein kontinuierlicher Fluss, sondern eine Fragmentierung, eine Abfolge von Momenten, die schwer herabfallen. Der Verweis auf die „alten Pflastersteine“ knüpft dieser zeitlichen Regen einer Dimension des Verschleißes, der angesammelten Geschichte, eines gelebten und verlorenen Lebens an. Die Zeit geht nicht nur vorbei, sondern „streichelt Schritte“, ein fast greifbarer Kontakt mit der Menschlichkeit, und in ihrem Streichen „verliert ihre Farbe“. Diese Synästhesie deutet auf einen Verlust von Vitalität, von Freude, von Lebendigkeit im Sein hin, das es mit einer melancholischen Monochromie überzieht. Jedes „Korn“ der Sanduhren ist nicht nur eine Sekunde, sondern „ein Minute, an der Kälte geheftet“, ein starkes Bild einer Zeit, die trotz ihres Flusses in einer schmerzhaften Unbeweglichkeit kristallisiert ist, aufgeladen mit einem Gefühl des Stillstands und der Kälte.

Der dritte und letzte Abschnitt bietet eine Art Auflösung, ein kosmisches und emotionales Wiedergleichgewicht. „Der Himmel schweigt und ordnet das Beben neu“: nach dem „Faden bricht“ und dem Fallen der Sanduhren stellt der Himmel, die höhere und stille Entität, eine Ordnung wieder her; er absorbiert die Desorientierung oder die Angst. Die Stadt reagiert wie ein lebendiges Wesen auf diese Stille: „hält den Atem an, lässt ihn dann sanft fallen“. Dieser Akt des Anhalten und Freigebens spiegelt eine Spannung und eine anschließende, friedliche Resignation wider. Es ist ein Moment der Suspendierung vor einem neuen Anfang. Der Abschluss ist zyklisch und fast tröstend: „so wird die Nacht neu geformt, zwischen Lichtern und Stunden, die gezählt werden“. Die Nacht erneuert sich, regeneriert sich, trotz oder gerade durch das gemessene und unaufhörliche Verstreichen der „Stunden, die gezählt werden“. Die „Lichter“ können jene künstlichen der Stadt sein, die versuchen, der Dunkelheit zu trotzen, oder die ersten Morgenlichter, die einen neuen Zyklus ankündigen – eine Wiedergeburt.

„Sanduhren zwischen den Sternen“ ist zusammenfassend lässt sich sagen, dass es eine Lyrik ist, die zur tiefgründigen Reflexion über Vergänglichkeit und Regeneration einlädt, über den unvergänglichen Eindruck der Zeit auf das Sein und die Umgebung. Die Wahl kühner Metaphern und die Personifizierung natürlicher und städtischer Elemente schaffen einen textlich dichten Sinngehalt, der ein Gefühl kontemplativer Melancholie, aber auch eine subtile Hoffnung auf die ewige Wiedergeburt der Zeit selbst hervorruft.

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